R.I.P. Martha

old times

es gab ein mal eine zeit, in der frau sich auf mann verlassen konnte. da war ein wort noch ein wort und hatte als solches auch bedeutung. heute sind es alles leere hüllen.

„selbst ist die frau“, ist ein gern genannter schlachtruf, aber wenn wir ehrlich sind, wollen wir doch alle eine person, auf die wir uns verlassen können, an die wir uns anlehnen können, mit der wir reden können, die uns unterstützt. mir erscheint es, als würde sich das immer mehr drehen, die männlichkeit nimmt sich selbst immer mehr aus der verantwortung und gibt alles ab. nicht einmal absprachen werden mehr eingehalten, weil frau sich ja im endeffekt darum kümmer. warum überhaupt noch etwas machen? einfach entspannt zurück lehnen, das wird schon alles, hauptsache man(n) hat keinen stress.

super, großartig, immer alles abgeben…


left behind

Menschen, die einst voller Lebensfreude waren, sollten nicht einfach resignieren. Dürfen nicht aufgeben, ins Dunkle fallen. Leider geschieht dies immer öfter. Ob es an der Schnelllebigkeit, dem „Stress“, falschen Freunden liegt, vermag ich nicht zu sagen. Manchmal ist es auch der eigene Körper, der gegen einen kämpft und leider verliert man diesen Kampf viel zu oft. Resignation ist ein schönes Wort, verhüllt es doch so elegant seine Bedeutung.

Manchmal reicht die beste Unterstützung nicht aus und manchmal ist auch einfach keine da. Viele Menschen sind in den letzten Monaten gegangen. Einige nur für kurze Zeit, einige für länger und ein paar verschwanden für immer. Schwere und Glanzlosigkeit durchziehen die Stunden und Tage der Erinnerung.

In die Welt hinausgehen voller Mut und doch im Hinterkopf eine leise Stimme hören, die unaufhörlich wispert: „du gibst eine Welt auf, weißt aber nicht, ob es für eine neue langt … und schon gar nicht, ob du darin Halt findest!“


Achtung! …ein Zug fährt ein…

ab wann fühlt man sich willkommen, wieder daheim? wenn man vom bahnhof/flughafen abgeholt wird, mit blumen empfangen, mit umarmungen und küssen überhäuft? oder reicht ein anruf, der sich nach den, in der fremde verbrachten, letzten tagen erkundigt? oder ist es einfach nur der kater, der sich vor dich auf den rücken wirft, wenn du zur  wohnungstür hinein kommst?


stille

„Stille“ ist ein tolles wort. es klingt viel feiner und vielschichtiger als „ruhe“ und ist dennoch klar, ohne schnörkel. ich liebe die stille der nacht, wenn gedanken, die sich den tag über versteckt haben, aus ihren ecken trauen, um laut aufzuschreien, zu klagen oder freude verkünden. das sind die momente, in denen man eigentlich nicht allein sein möchte, in denen man eine person bei sich haben möchte, die keine erklärungen braucht, die einfach nur da ist und sicherheit ausstrahlt. was macht man, wenn es diese person nicht gibt? jemanden suchen? alles alleine trage? schweigen? zerbrechen? aufgeben?

jeder mensch kann frei entscheiden… entscheiden, ob er seine bestimmung annimmt oder nicht. doch ist bestimmung das abfinden mit gegebenheiten oder der ständige kampf dagegen? wann sollte man glücklich sein und wann ist es richtig eben genau nicht glücklich zu sein?

eine welt, in der es keinen kummer, keine sorgen und nöte gäbe, wäre nicht zu ertragen. aber wie schwer darf etwas sein, um es allein zu tragen und ab wann ist es legitim um hilfe zu bitten?

wie viel hält ein krug aus, bevor er zerbricht?


delete

heute habe ich wieder daran gedacht, dass ich deine nummer löschen muss. jedes verdammte mal, wenn ich jemanden in meinen kontakten suche stolpere ich über dich. nur leider kann ich dich nicht mehr anrufen, kann dir nicht mehr schreiben, kann nicht mehr nach deiner meinung fragen. bei allem was mir geschieht ist mein erster gedanke:“das muss ich dir erzählen!“ ich erwische mich dabei, wie ich mir vorstelle, dass ich es dir erzähle und wie du reagierst, ob du es genauso lustig oder irritierend findest, wie ich. mein kopf spielt dieses spiel mit mir, obwohl ich eigentlich wissen müsste, dass es nicht geht, dass es sinnlos ist.

ich habe die dinge verstanden, die man mir erzählt hat, aber das unterbewusstsein hat seine eigenen regeln, die nicht immer leicht und angenehm sind. irgendwann werde ich den weg zu dir gehen, werde mir ansehen, wie schön es ist, wo du bist und dann kann ich dir wieder alles erzählen. bis dahin stolpere ich immer wieder über deine nummer und über den wunsch mit dir zu reden.

du fehlst mir so unglaublich, dass es weh tut, mir die luft abschnürt. auf deinem platz ist kein reserviert-schild, sondern ein felsen mit der innschrift : „Vergeben!“


vor… ach nee, doch nicht

ich bin ein großer fan von überraschungen, nur nicht, wenn ich vorher schon weiß, dass es eine geben wird. im normalfall freut man sich, überlegt, was es sein könnte und dann passiert nichts, weil es vergessen wurde oder irgendwer schlechte laune hat oder weiß der teufel. dann ist man enttäuscht und ärgert sich, warum man sich wieder einmal hat verführen lassen.

noch schlimmer ist das ganze, wenn man sich auf einen abend freut, an dem man mit freunden weggehen möchte, die man schon lange nicht mehr gesehen hat und das vielleicht noch mit einem konzert verbinden kann. da überlegt man als frau den ganzen tag, was man anzieht, wie man die haare macht, welches make-up passen könnte, um dann nachdem man komplett fertig ist zu erfahren, dass das ganze wohl ausfällt, weil in buxtehude gerade ein huhn ein ei gelegt hat (was für den ort sicher grund für volksfeste ist…)

„vorfreude ist die schönste freude“, sagt der volksmund. wer es glaubt…


Liebste C.,

ich könnte dir jetzt sagen, wie traurig es mich macht, dass es ist, wie es ist und dass ich es nicht verstehe, aber das würde nichts ändern und nur unnötige Schwere schaffen. Wir standen schon einmal an diesem Punkt, an dem sich unsere Lebensfäden so weit von einander entfernten. Jedoch schafften wir es, sie wieder zu einen. Ich hoffe sehr, dass wir es erneut schaffen.

Ich bin da.

Sollte dies jedoch nicht geschehen, so musst du wissen, dass ich die letzten 5 Jahre nicht missen möchte. Danke für diese Zeit!

Deine L.